Paris – Jardin du Luxembourg

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Es gibt einen Ort, den ich, verbunden mit dem Schreiben, besonders liebe. Wie eine Oase liegt er mitten in Paris, zwischen den bunten und lebendigen Vierteln von Saint-Germain-des-Prés und Montparnasse. Dort hielt sich Anfang, Mitte der Zwanzigerjahre des letzten Jahrhunderts unter anderen die Künstlerclique um Scott Fitzgerald und Ernest Hemingway auf. Man traf sich in den vielen kleinen Cafés, die es heute noch gibt, schrieb, tauschte Ideen aus oder feierte einfach das Leben. Ab und an besuchte man Gertrude Stein in der Rue de Fleur, suchte dort moralische Unterstützung oder ließ sich von ihr künstlerisch beraten.

Nun war ich über Silvester in einem kleinen Hotel in Saint-Germain-des-Prés mit Blick auf den Jardin du Luxembourg. Morgens, ich war wie meistens sehr früh wach, setzte ich mich mit einem Buch auf ein bequemes Ledersofa unten in der Lobby des Hotels. Neben mir stand, auf einem antiquen Tisch, eine kleine Lampe, die ein ganz besonders warmes Licht verbreitete. Draußen war es noch dunkel und an den Fenstern hatten sich Eissterne gebildet.

Der Nachtportier überredete mich zu einem Frühstück, und da ich im Schein der kleinen Lampe sowieso nicht besonders gut lesen konnte, freute ich mich auf einen Milchkaffee und ein Buttercroissant. Vollkommen beseelt von der einsamen und friedlichen Atmosphäre schweiften meine Gedanken ab zu jener Zeit in Paris, Anfang des letzten Jahrhunderts, die Hemingway eindrucksvoll in seinem Roman: Paris – ein Fest für das Leben, beschrieben hat.

Von einem auf den anderen Moment fasste ich den Entschluss, den Jardin du Luxembourg zu besuchen. Vielleicht war der Garten ja bereits geöffnet? Völlig aufgeregt und ausschließlich konzentriert auf meine Idee, stand ich auf und verließ das Hotel, um zum Garten zu gehen.

Tatsächlich, die mächtigen Tore aus Metallgitterstäben waren bereits offen. Der Morgen begann zu dämmern. Ich fröstelte, aber es war nicht die Kälte, die die Gäsenhaut verusachte. Ich befand mich mittendrin in einem, vor ein paar Minuten, noch nicht für Möglich gehaltenen Abenteuer. Kein anderer Mensch war zu sehen und ich dachte, dass  der Jardin du Luxembourg, zu Zeiten von Hemingway, genauso dagelegen haben musste.

Ehrfürchtig betrat ich das Terrain. Auf dem langen, schmalen Rasenstück vor mir hob sich der Tau weiß gegen die sich zurückziehende Dunkelheit ab. Links und rechts des Weges säumten blätterlose Bäume den Weg und ihre kleinen und großen Äste, die sich im Wind in alle Richtungen bewegten, gaben mir das Gefühl eines stummen, aber vielstimmigen Morgenkonzerts.

Völlig befangen von diesen Eindrücken und eingebettet in meine Vorstellungen zündete ich mir eine Zigarette an und ging den Weg hinauf bis zu dem großen, zentralen Brunnen des Gartens. Dort setzte ich mich auf einen der verstreut stehenden Gartenstühle. Beeindruckt genoss ich die Zeit vollkommener Einsamkeit. Direkt vor mir erhob sich zeitlos konsquent die Wintersonne in das dunkle Firmament.

Selten war mir so deutlich bewusst, dass dies ein Moment war, den ich mein Leben lang nicht vergessen würde.

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